Befürchteten vor kurzer Zeit noch viele Leute eine Wasserknappheit in Arequipa, da die umliegenden Vulkane die meiste Zeit des Jahres ihre weissen, wasserspeichernden Schneekappen vermissen lassen, haben wir hier plötzlich ganz andere Sorgen.
Nachdem ich in diesem Jahr voller Vorfreude ganze 5-6 Regentage erwartete und im letzten Jahr der Regen eigentlich ganz ausgeblieben ist, regnet es hier seit 3 Wochen praktisch durch.
Dieser Regen stellt uns hier vor einige Probleme, da die Stadt grösstenteils überhaupt nicht darauf vorbereitet ist.
So besteht die Peruanische Regenkleidung oft nur aus einem Handtuch über dem Kopf und für meine gute alte Regenjacke, die ich aus meinen Sachen herausgekramt habe ernte ich immer wieder Bewunderung.
Zudem haben praktisch alle Häuser hier ein Flachdach, damit man das Haus, wenn man mal wieder Geld in der Kasse ist ,spontan nach oben ausbauen kann. Anstatt Schnee zu schippen geht man hier mit dem Besen auf das Dach um es immer mal wieder vom Wasser zu befreien. Dies hat meistens oft nur mässigem Erfolg. So blättert oft von den Wänden die Farbe ab und in meinem Zimmer werde ich hin und wieder von einer Wasserlache und Schimmel unter dem Fenster überrascht. Zudem wird mir durch die ständige Feuchtigkeit und die niedrigen Temperaturen vor allem Nachts sehr kalt.
Das grösste Problem sind jedoch die fehlenden Abflüsse an den Strassen. So gleichen die Stassen bei starkem Regen oft kleinen Flüssen, es werden ziemlich grosse Steine auf die Fahrbahn geschwämmt und es bilden sich riesige Schlaglöcher. Deshalb bauen sich hier viele Leute kleine Dämme vor die Häuser, damit das Wasser sich einen anderen Weg sucht. Das Wasser tritt hier nicht nur in die kleinen Häuser ein, sondern sogar in ein hochmodernes, frischgebautes Einkaufszentrum was für einen Tag geschlossen wurde.
In meinem Stadteil ist auch schon ein Abwasserkanal ausgebrochen, was auf Grund von Infektionen auch nicht ganz ungefährlich ist.
Aus diesen Gründen wurde hier vorgestern der "Caso de Emergencia" (Notstand) ausgerufen und auch das Militär hilft beim Freimachen von Strassen und Bauen von Dämmen.
Das verrückte ist eigentlich, dass dieser Regen für einen Deutschen eigentlich harmlos aussieht und ich wahrscheinlich bei dem Wetter noch mit dem Fahrrad zu Schule gefahren wäre.
Es zeigt aber auch, wie unberechenbar das Klima geworden ist und welche Gefahren der Klimawandel vor allem in diesem Land birgt.
Ich hoff jetzt einfach mal auf besseres Wetter, auch wenn der Regen von manchen Experten noch bis Anfang April angekündigt ist und schicke euch liebe Grüsse aus der sogenannten "Stadt des ewigen Frühlings"
Bis bald!
Euer Jakob
Mein Gastvater bei "Regenschippen"
Meine Nachbarschaft nach einem Regentag
el-volontario-de-arequipa - 18. Feb, 02:19